Wie wunderbar alles zusammenhängt…

Eine Spielidee, die im Mikrokosmos den therapeutischen Verlauf darstellen möchte, habe ich heute in meiner Therapie ausprobiert.
Besonders spannend hierbei war für mich die Feststellung, dass die Wahrnehmung der einzelnen Teilnehmer über die musikalische Veränderung sich deckte mit der Erwartungshaltung nach der Therapie – aber doch Eins nach dem Anderen….

 Besonders gegen Ende der Therapie fragen sich viele Teilnehmer, ob sie es schaffen, das während ihres Aufenthalts erlernte in ihren Alltag transferien zu können, oder ob alles beim Alten bleibt.
Um hier hineinzuspüren, zu erleben, ob man dem Neuen eine Chance geben kann, ist diese Spielidee gut geeignet.

Ich lege mir zur Erläuterung der Spielidee immer 3 Sticks zur Seite, mit deren Hilfe ich die Spielidee erläutere.  Stick 1 stellt die vor-stationäre Phase dar, die Zeit vor dem Aufenthalt hier. Dann kommt Stick 2 und liegt an dem Kopf von Stick 1 an um die stationäre Phase darzustellen, der Moment, in dem alle meine Teilnehmer jetzt sind. Stick 3, der gleiche wie Stick 1, stellt die post-stationäre Phase dar, wieder zurück im Alltag, im gleichen beruflichen, familiären, sozialen und örtlichen Umfeld. 
Dieses Bild liegt dann in der Mitte des Raums und bildet eine lange Linie aus 3 aneinander liegenden Sticks. 
Dann erläutere ich den Teilnehmern, dass sie für die vor-stationäre Phase ein Instrument auswählen sollen, für die Zeit ihres Aufenthalts hier ein Anderes (möglichst kontrastreiches) und für die Zeit danach wieder das Erste.
Im Folgenden spielen wir das erste Instrument, benennen dieses Musikstück mit Phase A und korrigieren, wo nötig, so dass jeder einigermaßen zufrieden mit diesem Stück ist.

Mit dem zweiten Instrument verfahren wir genauso, benennen dieses dann Phase B, so dass wir am Ende eine kleine Komposition in der Folge A-B-A haben.

Die Teilnehmer werden nun aufgefordert, während des Spiels von ABA auf verschiedene Dinge zu achten und stets auch an die Möglichkeit des Transfers zu denken (als Sinnbild für ihren Aufenthalt hier, der Zeit davor und danach):

– Wie gestaltete sich der Übergang von Phase A.zu Phase B?
– Wie gestaltete sich der Übergang von Phase B zurück zu Phase A?
(War der Übergang gleichzeitig, oder nacheinander, gab es eine Pause, einen Schnitt?)

– Wie ging es mir im Mittelteil?
(Konnte ich mit dem Kontrast gut umgehen, hatte ich Schwierigkeiten, mich zu lösen?)

– Wie habe ich den letzten Teil erlebt? 
(Anders oder gleich wie den ersten Teil? Wenn anders – in welcher Gestalt?)

Die bewusste Aufmerksamkeit auf den Transfer, auf das Sinnbild zwischen der Musik und dem Alltag führte bislang zu erstaunlichen Parallelen.
So hatten Teilnehmer, die sich von ihrem stationären Aufenthalt nicht viel erhofften und wenig Glauben in eine Veränderung ihrer Situation nach dem therapeutischen Aufenthalt hatten, auch zwischen den beiden Teilen wenig Veränderung wahrgenommen.
Andere wiederum konnten ihre jeweiligen Wünsche und Erwartungen in die Musik projizieren, sei es, Kraft und Stärke zu bekommen, Ruhe, Ordnung, Langsamkeit, etc.
Auffällig wiederum war das Erleben, dass kaum jemand davon ausging, dass sich alles verändere. Die meisten gingen von kleinen Impulsen aus, von Ideen und Anregungen und vor allem inneren Haltungsänderungen zu bestimmten Problemstellungen. 

Insgesamt wurde zurückgemeldet, dass diese Spielidee und die Reflexion dessen einen Beitrag dazu leisten könne, die eigenen Erwartungen und Hoffnungen hinsichtlich des therapeutischen Aufenthalts deutlicher zu sehen und ggf. kritisch zu hinterfragen. 

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